»Diesseitig zupackend, mit Brio, ja sogar unbeugsam und aufmüpfig, vor allem in der Scherzo-Coda, die nur in dieser zweiten Fassung von 1877 enthalten ist: So präsentierte Poschner danach Bruckners Dritte. Erstaunlich, was sich auch an diesem Werk an Ausdrucksgehalt freilegen lässt, wenn man den sonst oft bemühten Weihrauchnebel beiseite bläst. Genau das ist Poschners Ansatz, den er mit dem Bruckner Orchester Linz ebenso wie mit dem RSO Wien stringent verwirklicht: Jubel für diesen Bruckner mit Schneid’.«
»The Bottom Line: This is one of the best entries in Poschner’s ultra-complete Bruckner symphony cycle–a performance full of characterful ideas, perfectly executed.«
»The returning guest conductor achieved a distinctive sound from the orchestra, particularly in the strings which displayed a full array of colors, textures, and tones. «
»Poschner employed small, precise movements to great effect. In all three pieces, his personality came through in his inventive approach to phrasing a melody and his sense of thematic architecture.«
»Poschner infused the energetic finale with a bustling, celebratory feel, accentuated by an exquisite blend between the strings and the brass. After the triumphant finish, the audience rose to its feet in an enthusiastic ovation that included several curtain calls.«
Among Bruckner’s Symphonies, the Fifth is his contrapuntal masterpiece; the grandest until the Eighth. The tour-de-force of a finale gives us an idea of what the finale of the Ninth might have been like. Its magnificent dark and halting opening with the descending bass line – so effectively recalled in the finale – is inimitable. Although long available only in a disfigured version by Franz Schalk, it is also distinct for never having been the subject to revision or, perhaps, even doubt on the part of Bruckner – who never heard it performed with an orchestra. And yet, when Bruckner wrote this masterpiece, he was still far from establishing himself as a composer in Vienna and his spirits were as low as ever, writing a friend that »my life has lost all joy and delight – in vain and for nothing.« A radiant pinnacle from amid darkness.
#bruckner24 – ein gemeinsamen Projekt von Bruckner Orchester Linz, Radio-Symphonieorchester Wien und dem Label Capriccio unter der Leitung von Markus Poschner, das bis 2024 alle Sinfonien Anton Bruckners in allen Fassungen vorlegen wird. Bruckner Symphony #5 | C8090 – erschienen 11/2023
»Poschner überzeugt einmal mehr durch eine weitgespannte Dynamik, klanglicher Raffinesse und wohl überlegten Phrasierungen. […] Die Unterschiede zwischen Licht und Dunkel, zwischen Bestimmtheit und scheuem Zögern, zwischen verhaltener und hymnischer Sprache kommen in dieser kontrastreichen Version voll zur Geltung.«
»Poschner is once again convincing with his wide-ranging dynamics, tonal refinement, and well-considered phrasing.«
»The Bottom Line: This is one of the best entries in Poschner’s ultra-complete Bruckner symphony cycle–a performance full of characterful ideas, perfectly executed.«
»On se sent ici au plus près du texte, mais jamais dans l’exagération car Markus Poschner travaille le fond mais reste au service de la forme et de la puissance géniale du talent créatif du compositeur. L’Orchestre de la radio de Vienne sonne avec une relative neutralité qui sert parfaitement la lecture du chef. Tous les pupitres adhèrent à l’option choisie. Ils se fondent avec une incroyable discipline et une écoute mutuelle exemplaire dans ce creuset musical. «
»Poschner has carefully thought through the series of contrasts he wishes to implement and his vision is coherent… The big tune of the chorale unfolds nobly – more beautiful playing from the ORF.«
»As one of our interviewees in this month’s special Bruckner feature, it’s wonderful to be able to welcome Markus Poschner’s superb new recording of Symphony No 5.«
»… this is one of the finest recordings of the Fifth to have come my way for some time. … from the start, one feels an impressive sense of conviction in the reading. … The playing is extremely fine, transparent and expressive in quieter passages while maintaining energy in the symphony’s extended tutti passages.«
Christian Hoskins | Gramophone | 01.2024
»As Bruckner conductors go, Poschner is less concerned with grandiosity and pontification than most, and a thread throughout his recorded cycle so far has been the tendency to play the music simply. … Poschner keeps the music moving… «
»Mit der Veröffentlichung der 5. Symphonie auf CD hat Markus Poschner nun seinen Bruckner-Zyklus, der sämtliche Symphonien des Komponisten in allen verfügbaren Fassungen enthält, fortgesetzt. Im Gegensatz zu manchen anderen seiner Werke hat Bruckner seine 5. Symphonie nie überarbeitet. Insofern ist die hier vorliegende Fassung die einzige, die aus der Feder des Komponisten überliefert ist. Und dieser Symphonie scheint die ganze Liebe des Dirigenten zu gehören.
Was Poschner und das hervorragend disponierte ORF Vienna Radio Symphony Orchestra aus der Partitur herausholen, ist ein absolutes Glanzstück. Tief tauchen Dirigent und Orchester in den fein gewobenen Klangteppich ein, den sie vom ersten bis zum letzten Takt mit größter Meisterschaft zum Klingen bringen. Bei Poschner dürfte es sich um den besten Bruckner-Dirigenten der Gegenwart handeln. Seine Auffassung von Bruckners 5. Symphonie ist von großer Tiefe und Eleganz geprägt. Gleichzeitig mutet seine Darbietung recht transparent an. Die von ihm angeschlagenen Tempi sind nicht zu langsam und wirken recht ausgewogen. Die einleitenden Pizzicati der Kontrabässe sind zwar extrem leise und praktisch nicht hörbar. Aber bereits ab dem anschließenden Motiv der Streicher, das er sehr choralartig auffasst, läuft Poschner zu ganz großer Form auf. Sehr feierlich lotet er das anschließende Blechbläser-Motiv aus. Einfach grandios gelingt ihm die fulminante, in ein herrliches A-Dur mündende Steigerung, die zum Höhepunkt der Introduktion hinführt.
Ungemein emotional und tiefgründig lotet er das nun folgende Adagio aus, wobei seine ganze Aufmerksamkeit der klagenden Oboe gehört, die er gekonnt herausstellt. Sehr wirkungsvoll interpretiert er die markanten Sept-Sprünge. Das Scherzo nimmt Poschner recht flott, wobei er den fein intonierenden Holzbläsern seine ganze Aufmerksamkeit schenkt. Einen überzeugenden Kontrapunkt setzt er mit dem eindringlich dirigierten Ländler. Den abschließenden Final-Satz breitet er mit großer Feierlichkeit und enormem Glanz vor den Ohren des begeisterten Zuhörers aus. Bei all dem verliert Poschner an keiner Stelle den großen musikalischen Zusammenhang aus den Augen.
Hier haben wir es mit einer ausgezeichneten Aufnahme zu tun, die sich die beste Bewertung verdient hat.«
»In the Fifth… we have a piece that is admired for its economy of materials and contrapuntal ingenuity, including a fine double fugue in the finale; lush, spiritual passages are at a minimum. As a result Poschner’s bracing vitality fits the music very well, and I am happy to recommend this release.«
Paul L Althouse | American Record Guide | 05.2024
»… there is some noteworthily attractive playing in all four movements. For example, in the second movement (Adagio. Sehr langsam), the richness of the strings at the start of the second thematic section suddenly gives the music a more luminous quality, and this luminosity becomes even stronger as the section continues.«
»Marcus Bosch and Markus Poschner make the most persuasive cases for an antimonumental Fifth. They point up the correspondence points in the symphony with both ›Die Nullte‹ and the Ninth, underlining the pivotal place of the Fifth within Bruckner’s whole output.«
ANTONIO VIVALDI Concerto pour mandoline, cordes et basse continue en re majeur RV 93 (arrangements de Avi Avital) GIOVANNI SOLLIMA Concerto pour mandoline et orchestre (première présentation en Suisse) ANTONIO VIVALDI Concerto pour 2 mandolines, cordes et basse continue en sol majeur RV 532 LUDWIG VAN BEETHOVEN Sinfonie n. 5 en do mineur op. 67
Orchestre de la Suisse Italienne Markus Poschner direction Avi Avital mandoline
Anton Bruckner 2024 – Das Brucknerjahr fängt schon im Dezember 2023 an zu vibrieren
Anton Bruckner komponierte seinen gültigen Sinfonienerstling in den Jahren 1865/ 66, als er Domorganist am Linzer Dom war. Kurz bevor er nach Wien umzog, wurde das Werk unter seinem Dirigat am 9. Mai 1868 im Redoutensaal in Linz uraufgeführt. Es ist die einzige Sinfonie, die in Linz ihre Weltpremiere erfuhr. An diesem Originalschauplatz setzen das Bruckner Orchester Linz und Markus Poschner den originalen Auftakt – ein »Tremolo« zum Bruckner-Jahr.
An diesem Wochenende wird nicht nur die »Erste« erklingen, sondern auch die »Annullierte« beziehungsweise die »Nullte«, die ursprünglich die zweite Sinfonie war, aber von Bruckner für »ungiltig« und »anulirt« erklärt wurde. Aus der Annullierung machte die Musikgeschichte eine Null. Zwischen den Konzerten wird es ein vielfältiges Vermittlungsprogramm geben.
Am Ursprung geht es los!
ANTON BRUCKNER Sinfonie Nr. 1 c-moll WAB 101 »Linzer Fassung« (1866)
»Ins Schwarze trifft hingegen Markus Poschner: Er sorgt mit dem trotz kleiner Konzentrationsschwächen prächtig tönenden Bruckner Orchester nebst vereinten Chorkräften dafür, dass Weber zu seinem Recht kommt. Das Klangbild wird nicht etwa von ekstatisch gesteigertem Hörnerschall bestimmt – nicht einmal im Jägerchor, den Schneider übrigens nur minimal ironisiert. […] Eher sucht Poschner einen Ausgleich der verschiedenen Kräfte, stilistischen Einflüsse und historischen Linien, ohne irgendetwas zu verwässern oder zu verkleinern. Und er gemeindet den Charme aus Operngefilden südlich der Alpen ein.
Vor allem aber weiß dieser Dirigent, wie man Webers Partitur zum Sprechen bringt: indem man nämlich gerade die so intelligent geführten zweiten Stimmen mit ins Rampenlicht holt, gleich bei den Hornduetten in der Einleitung der Ouvertüre, die sich vom proto-Wagnerischen Waldweben singend abheben. Und allgemein durch Hochachtung der innovativen koloristischen Effekte und die Freude an nicht nur ausgedehnten, sondern auch ausdrucksvoll vorgetragenen Bläsersoli.
Seinem frischen Zugriff stehen am anderen Ende der Palette manch betont breite Tempi gegenüber: In Agathes ›Leise, leise‹ etwa lässt sich Wagner späteres Pathos mehr als nur ahnen. Aber mit einem so tragfähigen, schwebenden jugendlich-dramatischen Sopran, wie Erica Eloff ihn besitzt, wirkt diese Lesart nur logisch: stimmliche Leuchtfeuer in der etwas unebenen Besetzung.«
»Aber auch musikalisch setzt Markus Poschner mit dem fabelhaft musizierenden Bruckner Orchester beim revolutionären Aufbau der Partitur an. Jene vom Komponisten erfundenen erdig schwarzen Klangkombinationen, jene verstörenden Akzente, die die scheinbar unbehelligt schönen Linien stören, zielen genau auf jenen Psychothriller ab, den von Weber möglicherweise vor Augen hatte. Vielleicht mit der Hoffnung auf Rettung durch einen Himmel, den ihm Schneider sehr plausibel verwehrt.
Faszinierend ist auch, wie Poschner analytisch die Partitur durchforstet und zum Beispiel für die erste Agathen-Arie eine packende Stimmung erzeugt und das Pseudoidyllische wunderbar eliminiert hat. Dazu kommt ein Sängerensemble, das großteils jene Abenteuerreise grandios mitvollzieht. An erster Stelle Erica Eloff als überragende Agathe, die ihre Arien um viele Facetten bereichert, ohne in die Sphäre der einfältigen Försterstochter abzurutschen. Ihr Glaube kommt aus reinster Seele.«
»Die musikalische Ebene war aber vom Feinsten. Das prächtig aufspielende Bruckner-Orchester wurde vom Hausherren Markus Poschner sehr routiniert zu Bestleistungen gefordert. Ouvertüre und Wolfsschluchtszene hört man selten so packend.« Johannes Marksteiner | Online Merker
»Umsichtig, anfeuernd und mitreißend wie stets besorgte Opern- und Orchesterchef Markus Poschner die musikalische Gesamtleitung. Über ihn und das hoch motivierte Bruckner Orchester Linz entlud sich am Schluss der Jubel des Premierenpublikums.« APA
»Webers Musik bleibt freilich unangetastet und wird vom Bruckner Orchester unter der Leitung von Markus Poschner ganz im Sinne der deutschen Romantik klangschön präsentiert.« Paul Stepanek | Oberösterreichisches Volksblatt
»Mitreißend und auf höchstem Niveau entwickelte Opern- und Orchesterchef Markus Poschner die musikalische Gesamtleitung. Nicht nur das Bruckner Orchester Linz agiert in Bestform mit zwei jungen Solisten: Lia Vielhaber am Cello und Benedict Mitterbauer auf der Viola. Auch die Sängerinnen und Sänger brillieren! Erica Eloff als Agathe sowie Fenja Lukas als Annchen sind besonders hervorzuheben, weil sie schauspielerisch und sängerisch Topleistungen erbringen.« Johannes Sonnberger | Kronen Zeitung
»Riesenjubel dagegen für Agathe, Samiel, Ännchen (Fenja Lukas als kokette Gruselfigur), und einmal mehr für Bruckner Orchester, Chor und Dirigent Markus Poschner.« Raimund Meisenberger | Passauer Neue Presse
Romantische Oper in drei Akten von CARL MARIA VON WEBER | Text von Johann Friedrich Kind nach der Novelle »Der Freischütz – Eine Volkssage« von Johann August Apel aus dem von Apel und Friedrich Laun herausgegebenen »Gespensterbuch« | In deutscher Sprache mit Übertitel
Musikalische Leitung Markus Poschner | Inszenierung Hermann Schneider | Bühne, Kostüme und Video Falko Herold | Dramaturgie Christoph Blitt | Chorleitung Elena Pierini | Leitung Extrachor Martin Zeller, David Alexander Barnard | Nachdirigat Ingmar Beck
Ottokar, böhmischer Fürst Adam Kim | Cuno, fürstlicher Erbförster Markus Raab | Agathe, seine Tochter Erica Eloff | Ännchen, eine junge Verwandte Fenja Lukas | Caspar, erster Jägerbursche Michael Wagner | Max, zweiter Jägerbursche Timothy Richards | Ein Eremit Dominik Nekel | Gregorio Changhyun Yun | Kilian, ein reicher Bauer Laurin Siebert, Alexander York | Brautjungfern Karina Jay Bailey, NelyaKravchenko, Alina Martemianova, Antoaneta Mineva, Kateryna Lyashenko, Vaida Raginskytė, Willemijn Spierenburg | Samiel, der »schwarze Jäger« Sven Mattke
Chor & Extrachor des Landestheaters Linz | Bruckner Orchester Linz
»Markus Poschner dirigierte die Staatskapelle Berlin in Traumverfassung mit stechender Härte, dunstendem Schrecken und Rosenkavalier-Zartheit in der Erkennungsszene, wie das die Partitur verlangt. Poschner ist zudem ein hervorragender Sängerbegleiter, der sich diesmal auf ein bis in die kleinste Rolle passgenau gecastetes Ensemble verlassen konnte.« Ingobert Waltenberger | Online Merker
Nach so vielen Jahren der intensivsten Auseinandersetzung und Begegnung mit Anton Bruckner, nach unzähligen Aufführungen und Aufnahmen seiner Werke muss ich gestehen: Er bleibt für mich dennoch ein unlösbares Rätsel.
Da ist so viel Beunruhigendes, Irritierendes und Widersprüchliches, Bruckner ist nichts Geschlossenes, er bleibt unbekannt und entzieht sich neugierigen Annäherungsversuchen. Man möchte fast denken, da waren Medienprofis am Werk, um ihn vor den Blicken einer aufdringlichen Öffentlichkeit zu schützen, durch geschickte Verschleierung und gezielte Anekdoten. In Wahrheit leistete er sich einfach nur, unangepasst zu sein. Und doch aber braucht es jedes Mal nur einen winzigen Augenblick, um sich in seiner Musik vollständig zu verlieren, um in andere geheimnisvolle Welten weggetragen zu werden. Kaum ein Komponist ließ sich jemals über seine Musik so tief in die Seele blicken, alles erscheint plötzlich unfassbar vertraut, tief und verständlich.
Wie ist das möglich? Wie ist es überhaupt zu verstehen, dass der gebürtige Ansfeldner und spätere Hilfslehrer aus Windhaag Weltmusik schrieb, die uns noch heute, 200 Jahre nach seiner Geburt, auf der ganzen Welt und über alle Kulturgrenzen hinweg in ihren Bann zieht? Er begann weder als Wunderkind noch als Genie, war bereits weit über 30 Jahre alt, als er sich ernsthaft mit Komponieren beschäftigte, und über 40 Jahre alt, als er endlich seine erste Sinfonie öffentlich präsentierte. Er lebte also weit mehr als ein halbes Leben lang ein vollkommen unscheinbares, kleinbürgerliches Leben in der oberösterreichischen Provinz als Kirchenmusiker und Schulgehilfe, ganz bei sich, abgekapselt, unbeobachtet und geschützt vor dem Licht der Öffentlichkeit.
Und vermutlich nimmt genau da das Rätsel um das späte Genie Bruckner seinen Anfang. Sinfoniker zu sein, muss für ihn so etwas wie eine göttliche Bestimmung gewesen sein, wobei Zeit dabei absolut keine Rolle spielte. Viel wichtiger waren Kompetenz und Meisterschaft, das Lernen des Handwerks und das Verstehen der Tradition. Mit der grandiosen Bibliothek des prächtigen Stifts St. Florian stand ihm ohnehin auch der größtmögliche Wissensschatz der damaligen Zeit uneingeschränkt zur Verfügung, quasi eine riesige historische Google-Maschine. Und seine Vision, ja noch mehr seine Mission war von gigantischem Ausmaß: Er suchte sein Leben lang nach nichts weniger als dem perfekten Kunstwerk mit den perfekten Proportionen. Jede weitere neue Sinfonie sollte eine noch bessere Annäherung sein an das unerreichbare Idealbild, mit noch gigantischerer Auflösung und Verfeinerung. Und tatsächlich brachte Bruckner schier alle musikalischen Parameter des 19. Jahrhunderts an die Grenze, besonders aber die Zeit. Er fand seinen Archetypus in der Sinfonie und über diese zur Idee der Monumentalität, der Entladung, der Durchbrüche und der Expansion.
Stellvertretend für die extremen Gegensätze und scharfen Kontraste in seinen Werken stehen wohl exemplarisch der Choral und die Polka – sozusagen musikalische Synonyme für Kirche und Wirtshaus und damit wiederum nichts anderes als ein Abbild seines gesamten für ihn denkbaren Weltkreises. Wenn, wie in seiner dritten Sinfonie, die Themen aus Tristan und Isolde direkt mit einer frechen böhmischen Polka verbunden werden, ist Bruckner ganz bei sich: unerreichbar, phänomenal, avantgardistisch. Bruckner denkt in anderen Kategorien – damit ist er ein Solitär und tatsächlich mit keinem anderen Komponisten seiner Zeit vergleichbar.
Nicht mehr das Drama, sondern der Ritus steht im Zentrum seines Denkens und Fühlens, seine Musik ist post-dramatisch. Selbst seine eigenen knappen Versuche, einem ratlosen und vollkommen überforderten Publikum seine Sinfonien über naive programmatische Hilfestellungen näherzubringen, vermögen nicht, das Gesagte auch nur annähernd einzufangen oder abzubilden. Ganz im Gegenteil: Die Hilflosigkeit und Belustigung seines Publikums vergrößerte sich nur um ein Zigfaches. Das Erlebbare in seiner Musik entbehrt völlig – wie bei jeder großen Kunst – der Beschreibung und entzieht sich jeglichen Programms, ähnlich einem Gipfelerlebnis nach langem Aufstieg.
Nach wie vor allerdings und ironischerweise wie schon zu seinen Lebzeiten sehen wir uns auch heute immer wieder konfrontiert mit einem trügerischen Bild von Bruckner: Der vermeintliche Musikant Gottes wird durch pathetische Interpretationswucht in allzu abgeschliffenen Aufführungen im permanenten Überwältigungsmodus auf dem Altar der Geschmacklosigkeiten bei dichtem Weihrauchdunst geopfert.
Mehr Missverständnis ist eigentlich kaum möglich, dies aber scheint sozusagen mitkomponiert. Aber wie sollte es auch anders sein bei einem Komponisten, dessen eigentliches Thema das Disparate ist? Sein Konzept war nicht mehr steigerungsfähig, seine letzte Sinfonie blieb unvollendet – mehr Symbolik ist auch hier kaum möglich. Und uns bleibt nur, staunend davor zu stehen und uns zu verneigen – wie schon seinerzeit seine Magnifizenz, der Rektor der Wiener Universität, bei seiner Laudatio im Jahre 1891 – vor dem Schulgehilfen aus Windhaag.