

Susanne Zobl
Kurier, 27.01.2022
Foto / Generalprobe: RSO Wien


»Anton Bruckners Symphonie Nr. 4 geriet im Stefaniensaal energisch und eindeutig.
Zum Abschluss des Jahres mit all seinen Unwägbarkeiten und Problemen für Veranstalter (und das Klassikpublikum) gab es noch einmal eine große, beinahe festliche Angelegenheit: Anton Bruckners Symphonie Nr. 4, die ›Romantische‹, mit dem ORF Radio-Symphonie-Orchester Wien.
Das Gastspiel des Orchesters brachte das längst überfällige Musikvereinsdebüt von Dirigent Markus Poschner. Dass der deutsche Dirigent derzeit als Bruckner-Koryphäe gehandelt wird, ist natürlich auch seiner Tätigkeit als Chef des Bruckner Orchesters Linz geschuldet, aber auch mit einem anderen Ensemble lässt er seine Affinität zu dieser Klangwelt hören. Die in der 3. Fassung gespielte Symphonie klang schön aufgefächert (auch wegen der auf dem Podium verteilten Geigen). Der Dirigent warf keine Nebelgranaten, sondern sorgte durchwegs für Klarheit. Poschner ging die einzelnen Themen bisweilen recht forsch an, schaffte immer wieder eine drängend intensive Atmosphäre, wobei manche energische Steigerung oder Generalpause an der Grenze zur Effekthascherei angelegt sein mochte. Außergewöhnlich war der anmutige, aber ländliche Charakter des Trios.
Davor gab es noch feinziselierte Soundkunst der litauischen Komponisten Raminta Šerkšnyte, deren ›Midsummer Song‹ aus dem Jahr 2009 indes schnell langatmig wurde.Hinweis: Das für gestern im Musikverein geplante ›Amabile‹-Konzert mit Folksmilch wurde nun auf 31. Mai 2022 verschoben. Karten behalten ihre Gültigkeit.«
Kleine Zeitung, 22.12.2021
Foto: Elisabeth Probst

»Mit dem RSO-Wien hat sich der Grazer Musikverein zum letzten Orchesterkonzert 2022 einen der besten heimischen Klangkörper ins Haus geladen. Dirigiert von Markus Poschner gelang dem Orchester eine messerscharf sezierte ›Vierte‹ Anton Bruckners. Zuvor hörte man mit Raminta Šerkšnytes ›Midsummer Song‹ zeitgenössisch körperlose Klangkunst.
Markus Poschner dirigierte das RSO-Wien im Stefaniensaal
Ein Stück von 2009 vor Bruckners ›Romantische‹ Symphonie Nr. 4 zu stellen – ja, dürfen’s denn des? Ja, sie dürfen. Und es ist sogar eine gute Idee. Denn der ›Midsummer Song‹ der Litauerin Raminta Šerkšnyte schwebt an diesem Abend vor dem Giganten wie der Geist über den Wassern. Völlig körperlos, in Zuständen gehauchter Nichtigkeit, gibt der Streicher-Apparat das feingliedrige Lied als Gedankenbild: Da oben fliegen sie, die Geister.
Leicht hätte Poschner (Chef des Linzer Bruckner-Orchesters) das Werk als einen nordischen Auftakt zum großen Bruckner-Schnitzelessen auslegen können. Zu dem kommt es aber nicht, denn die ›Romantische‹ des RSO ist insgesamt weniger mit Panier überzogen als vielleicht gewohnt. Natürlich ist da in lauten Passagen eine kräftig tönende Macht am Werk – aber es ist eine Schärfe mit Begründung. Ihr voran geht ein Schneiden, Schicht für Schicht durch die Orchesterstruktur, mit der Poschner in Durchführung oder Andante Lymphknoten, Blutgefäße und Sehnen des Werks offenlegt. Präzise wie ein Anatom beschreibt das Orchester in klar abgesetzten Einsätzen die Grundstoffe des romantischen Prozesses. Solche Transparenz vertreibt den Nebel, manche Passage, etwa im Scherzo – man spielt doch nicht die Ur-, sondern die Drittfassung –, riecht weniger nach Wald und Wiese als sie könnte. Dafür erlebt man das Werden der Romantik Schicht für Schicht.«
Kronen Zeitung, 22.12.2021
Foto: Volker Weihbold

Sonntag, 12. Dezember 2021, Elbphilharmonie Hamburg
Fotos von Reinhard Winkler





»Es war ein Debüt und zugleich ein großer Wurf: Das Bruckner Orchester Linz (BOL) hat sich gestern in der Hamburger Elbphilharmonie nicht nur in die Liste jener Welt-Orchester eingeschrieben, die in dem 2017 eröffneten und seitdem berühmtesten Konzertsaal Europas zu Gast waren. Vielmehr lieferten die Musiker unter ihrem Chefdirigenten Markus Poschner einen Leistungsnachweis, dass ihnen vor allem bei Anton Bruckner die Deutungshoheit kaum streitig gemacht werden kann.«
Peter Grubmüller
OÖNachrichten, 13.12.2021
Foto: Reinhard Winkler

Nichts bei Bruckner ist Zufall. Alles hat irgendwo einen Urgrund, eine Verbindungslinie.
Markus Poschner
Teil 5 einer Reihe von Bruckner-Befragungen, die seit dem Internationalen Brucknerfest Linz 2018 immer dann stattfinden, wenn das Bruckner Orchester Linz unter der Leitung seines Chefdirigenten Markus Poschner im Brucknerhaus Werke des Namensgebers beider Institutionen zur Aufführung bringt.
Das Gespräch führte Jan David Schmitz, Leiter Programmplanung, Dramaturgie und szenische Projekte im Brucknerhaus Linz.
Foto: Reinhard Winkler

Das Bruckner-Orchester Linz und sein Dirigent Markus Poschner haben nun erstmals in der Tonträgergeschichte das Projekt in Angriff genommen, alle 19 überlieferten Versionen der Sinfonien auf CD zu präsentieren. Zum Auftakt ist jetzt bei Capriccio (Vertrieb: Naxos) die 6. Sinfonie in A-Dur aus dem Jahr 1881 erschienen. Damit ist den Musikern ein Start nach Maß gelungen, der neugierig macht.
Burkhard Schäfer
Schwäbisches Tagblatt, 04.11.21
Foto: Volker Weihbold

»It’s a lively, rhythmically alert interpretation that permits a welcome flexibility of pulse, reserving the moments of gravity for the Adagio and such intimate passages as those in the finale’s second subject. Poschner’s careful attention to rhythm pays big dividends in the first movement’s development section, and especially in the scherzo, which is unquestionably one of the finest on disc.«
David Hurwitz
Classics Today, 01.11.2021

Donnerstag, 14. Oktober 2021, Großes Festspielhaus Salzburg
Fotos von Reinhard Winkler







