Markus Poschner, Wiener Staatsoper

Resonanz

Michael Niavarani

»Markus Poschner am Dirigentenpult und Michael Niavarani als Frosch prägten die vergnügliche, in TV wie Radio übertragene Aufführung des Jahreswechsel-Dauerbrenners von Johann Strauß – mit Steigerung von Akt zu Akt. «

Markus Poschner hat Zeit für Prägnanz und Schönheit
»Die zweite prägende Gestalt ist Markus Poschner. Er begnügte sich bei seinem überfälligen Staatsoperndebüt natürlich nicht mit der Rolle eines Verkehrspolizisten, der bloß für einen möglichst reibungslosen Ablauf sorgt. Und auch ein allgemein rasanter Champagnerlaunen-Furor ist seine Sache nicht. Nein, Poschner lässt sich im Interesse von Deutlichkeit, Melancholie und Schönheit oft eine Spur mehr Zeit, als das Publikum – und anfangs, dort und da, auch das Ensemble auf der Bühne – erwarten würde.
Dafür zeigt er mit dem alerten Staatsopernorchester nicht bloß, mit wie vielen markanten Details die Partitur gespickt ist, sondern er kostet auch hier die Noblesse der Oboe aus, dort einen älplerischen Überschlag des Horns oder ein knackiges Trompetensolo. Ins Sentimentale gleitet Poschner dabei freilich nie ab, auch nicht im liebevoll zelebrierten, berührenden ›Brüderlein und Schwesterlein‹-Ensemble, wo sich das Dreivierteltakt-›Duidu‹ übers Erotisch-Direkte hinaus geradezu in einen Menschheitshymnus verwandelt.
Poschner weiß bei alledem nicht nur, welche Tuttistärke, sondern auch welche Intensität von Streicherschmelz und -geschmeidigkeit den Stimmen noch zuträglich ist – oder diese schon in Bedrängnis bringt. Denn Rücksicht auf die Bühne ist zu nehmen, wo Abendspielleiterin Katharina Strommer mit altgedienten wie neuen Protagonisten die 191. Aufführung der Otto-Schenk-Inszenierung mit einigen Dialogerweiterungen und kleinen Straffungen auf komödiantische Linie gebracht hat.«
Walter Weidringer | Die Presse

Die Fledermaus

»An diesem Abend kam es endlich dazu, worauf das Strauss-Jahr vergeblich warten ließ: man demonstrierte die Faszination Strauss.
Wie Markus Poschner, der am Pult in diesem Graben debütierte, diese Musik zum Klingen bringt, ist phänomenal. Elektrisierend hält der künftige Chef des RSO durchgehend die Spannung. Die anderen Debütanten komplettieren diese Hommage.«
Susanne Zobl | Kurier

Staatsoper: Nun flattert die »Fledermaus« frei
»Johann Strauß‘ Dauerbrenner, Klappe die Zweite: Verve und Lockerheit aus dem Graben, ein neues Paar auf der Bühne.
Apropos: Schon am zweiten Abend blüht diese mit enormer Liebe zum Detail vorbereitete »Fledermaus« unter Markus Poschner nun auch dort auf, wo’s am Abend zuvor, vielleicht mitbedingt durch Kameras und Mikrofone, noch eine Spur steif geklungen haben mag. Brillanz und Geschmeidigkeit, knisternde Pianissimo-Spannung, Verve und das genießerische Hineinlegen in die melodischen Kurven: famos.«
Walter Weidringer | Die Presse

Fotos: Wiener Staatsoper

Tat­ort Mu­sik­ver­ein im letz­ten Ok­to­ber. Das ORF Ra­dio-Sym­pho­nie­or­ches­ter spielt Ale­xan­der Zem­lin­skys sym­pho­ni­sche Dich­tung »Die See­jung­frau«, spielt mit ei­ner fas­zi­nie­ren­den Viel­falt an Farb­schat­tie­run­gen, mit Ele­ganz, mit Klang­schön­heit – und al­les ge­tra­gen von ei­ner un­ge­mei­nen Trans­pa­renz. Am Pult: Mar­kus Posch­ner, bay­e­ri­scher Di­ri­gent mit Welt­ruf, ab der Sai­son 2026/27 Chef­di­ri­gent des Klang­kör­pers. Der­zeit Chef des Bruck­ner Or­ches­ters Linz so­wie des Sin­fo­nie­or­ches­ters Ba­sel, zählt er zu den pro­fi­lier­tes­ten Meis­tern sei­nes Fachs. Er ist Trä­ger von Aus­zeich­nun­gen wie »Di­ri­gent des Jah­res«, ver­fügt über ein statt­li­ches Ar­se­nal an Ein­spie­lun­gen, heimst lau­fend in­ter­na­tio­na­les Lob ein, als klu­ger Red­ner wird er hoch­ge­schätzt. Was ein Opern­haus mit ei­ner Stein­zeit­höh­le ver­bin­det und wie viel Frei­heit bei der »Fle­der­maus« nö­tig und mög­lich ist: das er­zähl­te er Oli­ver Láng.

Oliver Láng, Dezember 2025
Foto: Robert Josipović

Markus Poschner

Intermezzo – Künstlerinnen und Künstler im Gespräch

Der designierte RSO-Chefdirigent Markus Poschner über beharrliche Ohrwürmer und Kunst als politischen Akt.

»Wer soll es denn sonst machen?« fragt Markus Poschner und meint damit das Einstehen für Menschlichkeit und menschliches Miteinander in Zeiten sich verhärtender Fronten. Gerade jetzt könne die Kunst Wege zur Gemeinsamkeit eröffnen, so Poschner, der zu Silvester erstmals »Die Fledermaus« von Johann Strauss an der Wiener Staatsoper dirigiert.

Seit September ist er Chefdirigent des Sinfonieorchesters Basel, im Herbst 2026 übernimmt er zudem das RSO und 2027 die Utah Symphony. Poschner stammt aus einer Musikerfamilie und war mehrere Jahre als Jazzpianist tätig, bevor er erstmals zum Taktstock griff. Im Gespräch mit Judith Hoffmann erzählt der geborene Münchner von einem Familienleben als »fahrende Gaukler«, warum das RSO kein Ablaufdatum hat und von seinem langjährigen Traum, mit einem Orchester Jazz zu spielen.

Sonntag, 28. Dezember 2025, 11.50 Uhr, Radio Ö1

Foto: Kaupo Kikkas

Die Fledermaus

»DIE FLEDERMAUS«
Oper von Johann Strauss
Text von Karl Haffner & Richard Genée

Gabriel von Eisenstein Jonas Kaufmann
Rosalinde Diana Damrau
Frank Jochen Schmeckenbecher
Prinz Orlofsky Daria Sushkova
Alfred, ein Tenor Jörg Schneider
Dr. Falke Adrian Eröd
Dr. Blind Lukas Schmidt
Adele Ilia Staple
Ida Hannah-Theres Weigl
Frosch Michael Niavarani
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper

Musikalische Leitung Markus Poschner
Inszenierung Otto Schenk
Bühne Günther Schneider-Siemssen
Kostüme Milena Canonero
Choreographie im 2. Akt »Unter Donner und Blitz« Gerlinde Dill

Radio Ö1, Mittwoch, 31. Dezember 2025, 18.00 Uhr
(Live-Übertragung aus der Wiener Staatsoper; Gestaltung: Michael Blees)

ORF III & ORF ON, Mittwoch, 31. Dezember 2025, 20.15 Uhr
(Live-zeitversetzt aus der Wiener Staatsoper; Bildregie: Jakob Pitzer, Redaktion: Teresa-Marilena Gschiel, Bernadette Viola Ortner)

Foto: Wiener Staatsoper