Das Glück in der Musik

Von Markus Poschner.

Wir modernen Menschen stehen unter großem Druck. Unsere To-do Listen explodieren, die geschriebenen oder die gefühlten, ständig stehen wir im Wettbewerb, werden verglichen, müssen uns beeilen und uns optimieren. Dank der Technik werden wir dabei auch noch immer schneller, der Computer, das Telefon, alles, sogar die eigene Familie ist immer nur einen Klick weit von uns entfernt.

Wir sind permanent verfügbar, aber auch die Welt selbst ist es, die uns in ihrer Gänze greifbar geworden ist. Alles Wissen, alle Musik, alle Bilder und Medien sind gerade einmal eine Armlänge und einen Fingerdruck von uns entfernt. Das macht süchtig, aber nicht glücklich. Verzweifelt versuchen wir, nicht die Kontrolle zu verlieren, indem wir jeden Bereich unseres Lebens durchdenken, planen und zu beherrschen versuchen. Wir halten das eigene, freie Leben selbstverantwortlich in den Händen, scheinbar souverän wie vielleicht noch nie in der Geschichte der Menschheit, und dennoch haben wir das traurige Gefühl, es zerrinnt uns zwischen den Fingern. Sind wir zufrieden? Der Dauerstress, dass 24 Stunden am Tag nicht ausreichen werden, diktiert uns den Alltag. Wie konnte das passieren, trotz all der großen technischen Zeitgewinne?

dasglueckindermusik

»Da, wo du nicht bist, ist das Glück«, vertonte Franz Schubert in seinem berühmten Lied. »Ich wandle still, bin wenig froh. Und immer fragt der Seufzer, wo?«, beschreibt er die ewige Suche nach Glück schon vor 200 Jahren.

Ist dies tatsächlich unser Schicksal? Ist es unsere Schuld? Haben wir unseren stillen Traum vom Glück vergessen?

Wir haben sehr wohl gelernt, über das Leben zu reflektieren und doch dabei aufgegeben zu leben. Unser Traum war die Erfüllung, mit der Welt in eine Beziehung zu treten. Wir wollten von den Dingen und Menschen berührt werden und gleichzeitig anderen etwas bedeuten. Wir sehnen uns nach dieser Resonanz, nach dem Erlebnis, nach Inspiration, die uns bleibend verändert. All das existiert nur in der Begegnung mit dem Gegenüber, im Fühlen, im gemeinsamen Erleben, in der Verbindung mit der Außenwelt, wie ein Kind, das mit seinem ersten Fahrrad seinen Horizont vergrößert. Das Hinausgehen ermöglicht uns erst den Zutritt zum eigenen Innenleben.

Das Konzert, ein gemeinsames musikalisches Hinausgehen, ist so etwas wie das Ideal vom Glück auf kleinstem und engstem Raum. Die Resonanz, das gleichzeitige Schwingen auf einer Wellenlänge für eine gewisse Zeit, ist der Schlüssel dazu. Wenn die Musik endet, bleibt dem Menschen etwas zurück. Er ist verändert. Und weil es eine Bedeutung hat, ist es existenziell.

Damit schafft die Musik etwas, was im Leben so schwierig und manchmal sogar unmöglich ist.

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